Berufsbildungszentrum Dr. Juergen Ulderup
Jul
02

Gehörlose unter Hörenden-Cristin und Micaela Schwenker: Trotz Beeinträchtigung Ausbildung bei „Lloyd“

Der Sulinger Schuhhersteller Lloyd Shoes geht neue Wege: Mit Christin und Micaela Schwenker stellt das Unternehmen zum 1. August an der Hans-Hermann-Meyer-Straße die ersten Auszubildenden zu Fachkräften für Lederverarbeitung ein. Die Besonderheit: Die beiden 18-Jährigen verfügen trotz Hörhilfen über eine Hörfähigkeit von nicht mehr als fünf Prozent; und das seit der Geburt. Nicole Thäte, Ausbildungsleiterin von Lloyd Shoes: „Anderthalb Jahre haben wir uns darum bemüht, dass die beiden ihre Ausbildung beginnen können. Schön, dass es jetzt geklappt hat.“
Das Problem: Die Agentur für Arbeit hat erst Anfang dieses Jahres die Ausbildungsfähigkeit der jungen Frauen festgestellt. Einher damit geht die Bereitschaft der Agentur, die Vorkehrungen, die Lloyd Shoes zu treffen hat, zu fördern. Nicole Thäte spricht von Maßnahmen der Arbeitssicherheit, aber auch von Einrichtungen an den Arbeitsplätzen selbst, die für Hörende nicht erforderlich sind. Dieter Horsten, Ausbildungsleiter für die Ausbildungsgänge der Schuhfertiger sowie der Fachkräfte für Lederverarbeitung: „Beide bekommen Laptops mit Spracherkennung, die die Hinweise ihrer Kollegen in Schrift umwandeln, damit sie diese besser verstehen können.“ Sondervorkehrungen seien auch für die im Zuge der Ausbildung geplanten Rumänienaufenthalte zu treffen. „Angedacht sind während der zweijährigen Ausbildungszeit zweimal vier Wochen.“ Laut Heinz Segelhorst, dem Leiter der Personal- und Organisationsentwicklung von Lloyd Shoes, bezuschusst die Agentur für Arbeit die Ausbildung mit 20000 Euro.

Auf dem Foto von links: Heinz Segelhorst, Heinrich Dahlskamp, Christin Schwenker, Birgitt Kathmann, Micaela Schwenker, Dieter Horsten, Wolfram van Lessen und Nicole Thäte (Foto: Schlotmann).

Christin und Micaela Schwenker haben an einer Schule für Hörgeschädigte in Osnabrück den Hauptschulabschluss erworben, hatten vor zwei Jahren bei Lloyd Shoes ein Betriebspraktikum absolviert. „Sie haben damals schon sehr starkes Interesse und fachlich gute Leistungen gezeigt“, sagt Dieter Horsten. „Wenn man mit Leder umgeht, muss man schon aufpassen.“ Vermittelt worden waren die Praktika der beiden heute 18-Jährigen über eine ehemalige Auszubildende von Lloyd Shoes. Heinz Segelhorst: „Unser Unternehmen hat sich der Einstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen gegenüber schon immer offen gezeigt; wenn wir die Möglichkeit haben.“ Die Beeinträchtigungen, mit denen Christin und Micaela Schwenker leben, dürften sie laut Dieter Horsten in der fachlichen Qualität nicht beeinträchtigen. „Bei der Lederverarbeitung muss man gut sehen und gut fühlen können, da haben sich die beiden Mädchen schon während ihres Praktikums bewiesen.“
Den Berufsschulunterricht absolvieren die zukünftigen Auszubildenden am Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup am Schulstandort Sulingen, wo bereits seit zehn Jahren die Auszubildenden zum Schuhfertiger unterrichtet werden. Stellvertretender Schulleiter Heinrich Dahlskamp: „Grundsätzlich sind wir eine inklusive Schule.“ Für die Auszubildenden zu Fachkräften für Lederverarbeitung werde eigens ein neuer Bildungsgang eingerichtet. „Unterrichtet werden die Auszubildenden durch unsere Kollegen und Ausbilder von ‚Lloyd Shoes‘. Die Kollegen werden noch Kurse belegen, um sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln. Der Unterricht selbst wird von einem Gebärdendolmetscher begleitet.“ Schulleiterin Birgitt Kathmann: „Wir sind erprobt in Inklusion. An unserer Schule darf kein Schüler mit Beeinträchtigungen benachteiligt werden.“
Erster Kreisrat Wolfram van Lessen würdigte am Mittwoch während eines Ortstermins bei Lloyd Shoes das Engagement des Schuhherstellers mit Sitz in Sulingen: „Das Projekt, vor allem das Zusammenspiel von Ausbildungsbetrieb, Schule und dem Landkreis als Schulträger, genießt Pilotcharakter.“

Quelle: Sulinger Kreiszeitung vom 02.07.2015

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