Berufsbildungszentrum Dr. Juergen Ulderup
Dez
11

Heißes Eisen Gentechnik-Einjährige Fachschule Agrarwirtschaft debattiert im Landtag

Unter dem Motto „Alles geregelt in Europa?“ stand das Europäische Jugendforum im Niedersächsischen Landtag am vergangenen Freitag. Eine Antwort darauf gab dessen Präsident Bernd Busemann in seiner Begrüßung: „Wenn der Staat alles regelt, dann gute Nacht – in so einem Staat möchte ich nicht leben.“ „Zwar müsse geregelt sein, dass „drin ist, was drauf steht“. Aber wir als Verbraucher hätten auch durch die Wahl beim Kauf selbst die Macht zu steuern. Wenn wir Produkte wollten, die ökologisch nachhaltig sind und für deren Produktion faire Löhne bezahlt würden, dann müssten wir uns über die Waren informieren und dürften nicht auf die Verführungen der Werbung hereinfallen.“
Auf den Plätzen der Abgeordneten saßen an diesem Tag Schülerinnen und Schüler aus drei Gymnasien sowie aus drei berufsbildenden Schulen aus ganz Niedersachsen. Mit dabei waren Schülerinnen und Schüler der Einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft des Berufsbildungszentrums Dr. Jürgen Ulderup aus Sulingen.

Im Jugendforum ging es darum, dass sich die Schülerinnen und Schüler in Ausschüssen vertieft mit jeweils einem Thema auseinandersetzten. Im Plenum versuchten sie anschließend, die anderen von ihrer Position zu überzeugen. Mit ihrer Abstimmung machten sie schließlich klar, wie es ihrer Meinung nach mit den drei Themen Europa weitergehen soll.

Als erstes Thema debattierten die Teilnehmenden ein mögliches Verbot von Plastiktragebeuteln.  Anschließend über das Recht an den eigenen Daten im Internet. Vor allem das Thema „Grüne Gentechnik“ war für die Fachschüler interessant. Hier ging es um die Frage, ob Lebensmittel, in deren Herstellung gentechnische Verfahren zum Einsatz gekommen sind, verboten werden sollten.

Diese Frage beantworteten Lutz Brinker  (Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup) und Silvan Dörrheide  (Gymnasium Hankensbüttel) mit einem klaren ‚Nein‘. Sie stellten die Freiheit der Verbraucher in den Mittelpunkt: Gentechnisch veränderte Lebensmittel seien gekennzeichnet, die Verbraucher müssten diese nicht kaufen. Aus diesem Grund seien gentechnisch veränderte Lebensmittel ohnehin in kaum einem Supermarkt zu finden – ein Verbot sei also überflüssig, zumal der Anbau gentechnischer Pflanzen in Europa nicht zulässig ist. Die beiden unterstrichen ferner die Chancen der neuen Technologie. Gentechnisch veränderte Produkte könnten Landwirten die Möglichkeit geben, auf bislang schwierigen Anbaugebieten Lebensmittel zu produzieren und so mithelfen, die steigende Weltbevölkerung zu ernähren. Ein Verbot für Lebensmittel, bei denen auch nur indirekt Gentechnik zum Einsatz kam (z.B. die Fütterung von Milchkühen mit gentechnisch verändertem Sojaschrot) sei nicht praktikabel, da die höheren Kosten einer gentechnikfreien Produktion zumindest im Moment noch nicht durch einen höheren Preis ausgeglichen werden können.
Fabian Grohmann (Käthe-Kollwitz-Schule Hannover) argumentierte dagegen, die gesundheitlichen Folgen der Gentechnik seien unabsehbar. Studien dazu würden vor allem von den Konzernen finanziert, die die gentechnisch veränderten Produkte auf den Markt bringen möchten und könnten daher nicht objektiv sein. Einmal freigesetzt könnten gentechnisch veränderte Pflanzen sich aufgrund des Pollenfluges ungehindert ausbreiten. Der Einfluss auf andere Pflanzen sei nicht mehr nachzuverfolgen, ebenso wenig wie Krankheiten, die aufgrund gentechnisch veränderter Eigenschaften eventuell entstehen.

In der anschließenden Diskussion mit Abgeordneten aus Landtag und Europaparlament stellte die Europaabgeordnete Gesine Meißner von der FDP fest, dass in der Gentechnik wie in jeder Innovation Chancen und Risiken lägen. Doch seien die Anforderungen seit 2004 EU-weit sehr streng geregelt. Gentechnisch veränderte Lebensmittel würden streng überprüft und müssten ebenso sicher sein wie ein konventionelles Nahrungsmittel. Darüber hinaus dürfe der mögliche positive Beitrag zur Lösung weltweiter Ernährungsprobleme nicht vergessen werden.
Die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte von Bündnis 90 / Die Grünen hingegen sah in der Gentechnik im Bereich der Landwirtschaft „eine Hochrisiko-Technologie, der wir uns nicht aussetzen möchten.“ Sie biete keinen Ansatz für die Lösung des Hungers in der Welt. Stattdessen wollten die Hersteller auch in Entwicklungsländern mit patentiertem Saatgut Geld verdienen, für das die dortigen armen Landwirte viel Geld aufwenden müssten.

Nach dem spannenden Schlagabtausch zwischen Schülern und Politikern beurteilten die Fachschüler den Tag im Landtag abschließend als interessante Erfahrung. Die aktive Teilnahme an einer Debatte und Abstimmung sowie die Diskussion mit Abgeordneten auf Augenhöhe wurden von den Schülerinnen und Schülern positiv bewertet. Auf die Frage, ob sie Lust hätten, selbst in die Politik zu gehen, antwortete eine Schülerin: „Jeden Tag könnte ich das nicht – das wäre mir zu aufregend.“

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