Berufsbildungszentrum Dr. Juergen Ulderup

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17. November 2014 | 452 Leser | Seite drucken | Seite emailen

Artikel: Betriebspraktikum in England für die Auszubildenden-Premiere am Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup

 

„My English is not the yellow from the egg“ – Englisch für „Runaways“-3-wöchiges England-Praktikum im Herbst 2014

Ein Rückblick von Julia Bondank und Radia Hammoud

Bevor es Ende September losging, musste die wichtigste Frage als allererste geklärt werden: Wo möchten wir überhaupt hin? London, Bristol oder Torquay, diese drei Städte standen zur Auswahl. London als Metropole Englands oder doch lieber Bristol und wo liegt überhaupt Torquay? Nachdem wir uns über alle drei Städte informiert hatten, fiel unsere Wahl auf die kleinste Stadt. Wie sich später herausstellte, war das die perfekteste Wahl die man treffen konnte. Durch die Bemühungen von Herrn Willenborg haben wir Schüler der Teilzeitklassen der BBZ Dr. Jürgen Ulderup in Diepholz erstmals die Chance bekommen, während ihrer Ausbildung ein 3-wöchiges Praktikum in England zu absolvieren. Uns war ganz schnell klar geworden, so eine Chance bekommen wir nur einmal. Nicht nur wir dachten, dass es eine super Chance für unser späteres Berufsleben wäre, sondern auch unsere Ausbildungsbetriebe. Diese waren auch alle sehr entgegenkommend und so übernahmen einige die restlichen Kosten und es gab Zusatzurlaub. Nachdem wir uns einige Male getroffen hatten, um Einzelheiten zu besprechen, die Bewerbung zu erstellen, und uns auch sprachlich vorbereiteten, stand uns nichts mehr im Wege, sodass das Abenteuer England beginnen konnte.


Schon auf dem Weg zum Flughafen Hannover/Langenhagen hatten wir uns einige Fragen gestellt: „Wie wird wohl das Wetter? Sind die Menschen dort freundlich und wie wird das typisch britische Frühstück schmecken?“ Nachdem wir uns von unserem Lehrer Herrn Willenborg am Flughafen Check-In-Schalter verabschiedet hatten, mussten wir dann noch eine weitere Stunde warten und dann ging es endlich los Richtung London/Heathrow.


Direkt nach der Ankunft am Londoner Flughafen erwartete uns schon der 1. Kulturschock: Überall wird „gequeuet“ – „Queueing?“. In England stellt man sich für alles in eine Reihe, selbst für ein Taxi in der Nacht. Und wehe man hält sich nicht daran, dann nämlich folgen böse Blicke und man stellt sich freiwillig hinten an! Irgendwann haben wir dann auch den Weg zum „Baggage Claim“ und zu unseren Taschen gefunden und konnten nach einer kurzen Passkontrolle problemlos zu der Bushaltestation gehen. „Doch wo ist die Bushaltestelle?“ Kein Problem für uns – ganz die Englisch-Profis haben wir uns an dem Informationsschalter informiert und fanden die Bushaltestelle nach kurzem Fußweg quer durch den Londoner Flughafen. Noch in Heathrow erwartete uns Kulturschock Nr. 2. „Warum zum Teufel ist das Lenkrad auf der falschen Seite?“ Um sich nicht in Lebensgefahr zu begeben, sollte man IMMER nach rechts schauen.

Leider hatten wir nun noch eine 41/2 stündige Busfahrt vor uns bis zu unserem Zielort Torquay in Südengland, aber auch diese wurde mit Bravour gemeistert. In Torquay wurden wir dann von einem Betreuer der Gastorganisation „TTPL“ und von unseren Gastfamilien erwartet. Da wir immer zu zweit in einer Gastfamilie waren, fühlten wir uns nicht ganz allein. Gleich am Montag wurden wir dann von Mitarbeitern der TTPL freundlich empfangen und hatten unseren Einführungskurs in die britische Kultur. Hierzu erhielten wir Informationen für unsere bevorstehenden Arbeitswochen. In Gruppenarbeiten konnten wir uns mit der zur gleichen Zeit angereisten Gruppe aus Bergisch Gladbach anfreunden. Ebenso wurden uns die Arbeitszeiten mitgeteilt und da wir immer gelernt hatten, zum ersten Arbeitstag lieber fünf Minuten früher zu kommen – macht einen viel besseren Eindruck – kam es wie es kommen musste, unser Abholdienst kam 30 Minuten zu spät. Kulturschock Nr. 3: „Kommen Engländer generell zu spät?“ Wohl nicht, doch sind Engländer viel entspannter als wir und nehmen es einem nicht übel, einmal zu spät zu kommen. Nunja, die Engländer sind wirklich ein „komisches“ Volk. Nicht nur, dass sie gerne mal zu spät kommen, nein, sie haben auch kein Gefühl für Kälte. Das war der Kulturschock Nr. 4. Am Wochenende sahen wir die meisten Engländerinnen sehr spärlich bekleidet und wir dagegen trugen dicke Jacken und Schal.

Was uns sehr positiv überrascht hat, war die Tatsache, dass die englische Bevölkerung äußerst freundlich ist – für uns fast schon übertrieben freundlich – aber auch damit konnten wir uns relativ schnell anfreunden. Etwas Kultur, wie Theaterbesuche, Shoppingtrips nach Exeter oder die Bootstouren nach Dartmouth oder in die Hafenstadt Brixon durften natürlich auch nicht fehlen. Dies konnte jeder nach Lust und Laune auch ohne große Gruppe mitmachen und so wurde man relativ schnell ein Teil der englischen Bevölkerung.

Um neue Leute kennenzulernen, konnten wir uns dienstags abends mit Studenten anderer Nationen treffen. Hierzu erhielten wir drei Stunden vorher eine E-Mail von unserem Betreuer der TTPL. Hier wurden neue Freundschaften geschlossen und man lernte vor allem Spanier und Italiener kennen mit denen wir uns dann auf Englisch unterhielten. Donnerstags hatten wir zusammen mit der anderen deutschen Gruppe immer unseren Sprachkurs und lernten noch mehr über die englische Kultur. Dazu mussten wir alltägliche Situationen darstellen und konnten so unsere englischen Sprachkenntnisse verbessern. So wurden wir immer selbstsicherer und hatten keine Hemmungen mehr, Fehler zu machen, wenn man sich beispielsweise mit Arbeitskollegen unterhielt.

Kulturschock Nr. 5: Die Engländer haben nicht nur kein Gefühl für Kälte, sondern sie trinken gern auch „einen über den Durst“. Auch während der Arbeitswoche haben die Engländer keine Hemmungen davor sich nicht nur ein Feierabendbier zu gönnen, sondern gleich sechs oder sieben. Jeder Deutsche würde denken, die haben doch sicher alle ein Alkoholproblem, oder? Nein, für Engländer scheint es völlig normal zu sein, viel zu trinken. Am Wochenende ist es besonders auffällig, da hat vor allem die Polizei eine ganze Menge zu tun.

Wie dem auch sei, natürlich durfte ein Pub-Besuch im „Land oft he Pub“ nicht fehlen. Als Herr Willenborg uns in der zweiten Woche besuchte, war der älteste Pub der Stadt mit dem Namen „Hole in the Wall“ Ziel unseres Treffens. Nachdem Herr Willenborg uns an unseren Arbeitsplätzen besuchte, konnte er mit ruhigem Gewissen vier Tage später zurück ins „Good old Germany“ reisen und es wurde Zeit sich von Herr Willenborg zu verabschieden. Uns blieb noch eine gute Woche um so viel wie möglich von Torquay zu sehen und zu erleben. Diese Zeit nutzten wir dann noch richtig aus.

Nach der dritten Woche hieß es „Time to say goodbye“. Dies stellte sich jedoch als ziemlich schwierig heraus, denn in den drei Wochen hatte man viele neue und nette Freunde dazugewonnen. Aber bekanntlich soll man gehen, wenn es am schönsten ist.

Mit reichlich neuen Erfahrungen ging es dann für uns zurück nach Deutschland und wer glaubt, es sei zu Ende, falsch gedacht. Man musste sich in Deutschland erst einmal wieder daran gewöhnen, dass das Lenkrad auf der linken Seite ist und dass viele Deutsche total unfreundlich sind und nicht wissen was anstellen bedeutet. Die Freundlichkeit der Engländer und das „Queueing“ fehlen einem sehr. Vielleicht sollten sich viele Deutsche eine Scheibe von den Engländern abschneiden, was das Freundlichsein und das in einer Reihe anstellen bedeutet.
In England werden wir übrigens als „Krauts“ bezeichnet, weil wir ja immer Sauerkraut essen.

Abschließend kann man sagen, dass es die perfekte Wahl gewesen war, das Praktikum in Torquay zu absolvieren, denn so konnte man eine ganz andere Seite Englands sehen. Das Wetter war perfekt, sodass wir sogar teilweise das Gefühl hatten wir seien in einer anderen Welt. Denn es gab am Hafen auch Palmen. Wenn ihr diese Chance bekommen solltet, dann nutzt sie – es lohnt sich!

Cheers, Julia & Radia

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